′′Wir sind Bonn – Bonn sind wir′′

„Eine Stadt, sagt man, sei eine Ansammlung von Menschen, die zusammenkamen, weil sie hofften, auf diese Weise besser und glücklicher leben zu können.“ (Giovanni Botero, 1544-1617)

Bonn ist vielfältig. Am 1.Januar 2019 wohnten in Bonn 330.224 Menschen. Fast jede*r dritte Bonner Bürger*in hat eine Migrationgeschichte oder einen Migrationshintergrund. Mit seiner Bevölkerungsvielfalt aus 180 Staaten der Erde spiegelt die Stadt den kulturellen Reichtum der Welt wider. Sie bot und bietet vielen internationalen Einrichtungen Raum. In dieser Folge zeigen wir exemplarisch verschiedene Stadtteile in ihrer Individualität und Vilefalt.

 

Tannenbusch

Wenn man im Stadtteil Tannenbusch unterwegs ist, wird man feststellen, welchen Reichtum dieser Stadtteil birgt, der nicht von seiner positiven Seite wahrgenommen wird. Der Tannenbusch wird als Stadtteil eher durch negative Schlagzeilen in der Öffentlichkeit gerügt, was aber nicht gerechtfertigt ist. Das Alltagsleben der Menschen im multikulturellen Stadtteil Tannenbusch zeigt, wie sie miteinander in einer religiösen und kulturellen Vielfalt zusammenleben.

Hıdır Eren Ҫelik

Leben in der Stadt ist nicht nur eine ethische, sondern auch eine theologische Herausforderung. Was ist eine „gute“ Stadt? Im Gegensatz zum Land wohnen die Menschen in einer Stadt dicht beieinander. Es leben viele Menschen zusammen – aus ganz verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen Erfahrungen. In einer guten Stadt leben sie nicht nur nebeneinander, sondern miteinander. Sie treffen sich in den Stadtteilen beim Bäcker, Metzger, Lebensmittelhändler, im Café… Sie betreiben Handel miteinander. Sie machen in ihrer Freizeit etwas miteinander. Durch Begegnung und Dialog entwickeln sich auch der Glaube und die Religion weiter. Konservative, liberale und moderne Ansichten treffen aufeinander und fordern gegenseitige Toleranz. Aus der Begegnung reifen neue Einsichten. Die Menschen einer Stadt haben Verantwortung füreinander.

 

 

Das Leben im Stadtteil

Lichter strömen durch die Fenster der Häuser,
reflektieren sich an den Straßen in durch den Regen gebildeten Teichen.
Jedes Licht trägt mit sich die Schatten seiner Bewohner,
auch Sehnsucht und Hoffnung der einzelnen Menschen drängen nach draußen, bei jeder Bewegung…
bei jedem Gedanken…
bei jeder Freude und Traurigkeit…

Das Lachen der Kinder,
ihr Schreien und Weinen mischen sich in die Strömung der Lichter. Die Einsamkeit hat ihre Stille.
Das Alleinsein
verdampft wie Wasser in einem Teekessel in die uferlose Weite…

    – Erinnerungen halten wach –

Das Gefühl des Verlassens zieht sich durch die Nacht bis zur Morgendämmerung…

Lichter gehen nach und nach aus…
wie ein Abschied im Leben…
die Häuser begraben sich in der Dunkelheit…

Es beginnt jeder neue Tag
mit seinen Schatten
Und verborgene Sehnsüchte
Hinterlassen ihre Spuren an den Wänden der Räume, die uns unbekannt und fremd sind …

 

 

 

Bau keine Mauer aus Hass
Aus Hass gebauete Mauer
vernichtet die Menschlichkeit in Dir …

Bau keine Mauer aus Unwissen
über die fremden Kulturen,
bevor Du dir ein Urteil bildest.

Deine Unmut und Angst
sollen Dich nicht auf den Irrweg führen…

Schätze andere Kulturen wert,
damit auch Deine wertgeschätzt wird…

Sammle die Kenntnisse über die anderen,
bevor Du ein Urteil über die anderen machst…
Schau Dir die Geschichte an…

Was heute Dir vertraut ist, war Dir mal fremd…
Verändert Ihr euch, so verändert Ihr auch die Welt…

Deine Religion aus dem Nahen Osten,
Dein Jesus aus Nazareth
und Dein Humanismus aus Griechenland
bilden Deine Werte,
die aus der fernen weiten Welt kommen…

 

Bad Godesberg

Nach dem Umzug des Hauptsitzes der Bundesregierung nach Berlin hat sich dieser Stadtteil verändert. Diplomaten*innen, Regierungsbeamte*innen und Mitarbeitende regierungsnaher Organisationen zogen fort, neue Einwohner*innen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zogen zu. Diese Entwicklung geschieht nicht immer reibunglos, ohne Konflikte. Dennoch bietet dieser Stadtteil Raum für kulturelle Begegnungen, Austausch und Dialog. Dies spiegelt sich im Alltag wieder.

 

Verschleiere die Sonne nicht

Verschleiert,
Verborgen,
Verdunkelt,
Versteckt hinter einem Stück schwarzen Stoff
die Sonne ihr Gesicht.
Ich suche vergebens das Sonnenlicht,
das sich in den lächelnden Augen der Kinder spiegelt.

Verhülle deine Schönheit nicht
vor der menschlichen Begeisterung,
die nichts anderes als Freude ist,
begehe keine Flucht vor menschlicher Freundschaft.
Nimm deinen Schleier weg,
zeige dein Gesicht,
damit ich dich sehe,
so wie ich dir mein Gesicht zeige.

Lass die Sonne nicht hinter dunklen Schleiern
verbergen,
mach dir die Erde nicht zur Hölle.

Wenn Du dich verschleierst,
versteckst,
verhüllst,
bleibt deine Schönheit uns verborgen.
Mach Dich nicht unsichtbar
vor uns Menschen,
denn die Erde ist unverhüllt schön und lebendig
mit ihren unbändigen Flüssen, Bergen und Ebenen,
ein Zuhause für alle Lebewesen.
Die Meere, die Kontinente verbinden,
strecken sich als blauer Horizont zwischen Himmel und Erde.
Aus der Erde erblühen Tulpen in Vielfalt – bunt –
flatternde Schmeterlinge tragen das Licht der Sonne.

Zeig deine Schönheit mit ihrer Vielfalt,
die sich in uns spiegelt…
Komm, nimm mit uns am Leben teil,
damit wir gemeinsam das Licht der Sonne
und die Schönheit der Natur wie strömende Flüsse
in uns fließen lassen – ohne Vorbehalte.

Hıdır Eren Çelik
Bonn, 07.03.2019

 

Kleidung ist immer Schutz. Schutz vor Kälte, Sonne, unangemessenen Blicken usw. Kleidung ist Verkleidung: Ich bekleide meine „Nacktheit“, um mich öffentlich darzustellen. Darzustellen als modern, konservativ, religiös, jung, schick, locker ….

Kleidung ist ein Erkennungsmerkmal, dass ich dazu gehöre – die richtige (Uni-)Form trage. Lieblingskleidung kann eine zweite Haut sein, in der ich mich wohlfühle. Kleidung kann Grenzen setzen, sollte aber Begegnung und Dialog nicht verhindern, weder durch Einschüchterung noch durch zu viel Verhüllung oder… Kleidung sollte sogar Begegnung und Miteinander fördern.

 

 

Mein Herz ist zweigeteilt

Die Hälfte ist hier – im Exil –

Die andere Hälfte ist
in meinem Land

Meine Freiheit
ist
an Eisenketten gefesselt.Gefangen…
Gefoltert… – im Kerker –

wurde ich vergessen…

Im Exil zur Einsamkeit verurteilt Suche ich eine Zuflucht
in Freundschaft
ohne Vorbehalte…

 

 

Und du sollst fröhlich sein vor dem HERRN, deinem Gott, du und dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd und der Levit, der in deiner Stadt lebt, der

Fremdling, die Waise und die Witwe, die in deiner Mitte sind, an der Stätte, die der HERR, dein Gott, erwählen wird, dass sein Name da wohne.“ (5.Mose 16,11)