Online-Periodikum 01/2018

Ihr und Wir
Wer seid Ihr?
Wer sind wir?

Editorial

Friedliches christlich-muslimisches Miteinander entsteht durch Kennenlernen: die Anderen zu sehen, zuzuhören, miteinander zu reden und zusammen zu handeln. Die Landessynode 2018 der Evangelischen Kirche im Rheinland hat dazu ermutigt, den eigenen Glauben Muslimen und Musliminnen mit Respekt für ihren anderen Glauben zu erklären und begeistert zur Sprache zu bringen. Theologische Impulse von Christiana Aus der Au aufnehmend, dass niemand allein den einen, wahren Glauben hat, laden wir ein, offen füreinander zu sein und aufmerksam Gemeinsamkeiten zwischen Muslimen und Christen zu entdecken.

Ihr und Wir
Wer seid Ihr ?
Wer sind wir ?

Ihr seid Wir — Wir sind Ihr
Sind wir nicht alle Kinder dieser Erde ?
Wenn es so ist, dann sind wir alle WIR:
Menschen!

Hıdır Çelik, Mai 2018

Wir sind Frauen

Wir sind Frauen
Mütter unserer Welt
Wir sind Schwestern
Töchter der Mutter Erde
Wir sind Mütter und Töchter
Wir sind Geschwister, die in einem Wald
Baum an Baum sich in den Himmel hineinstrecken
Wir sind die Frauen, die Töchter und Söhne gebären
Ohne uns würde es die Menschheit nicht geben
Wir sind Mütter der Menschheit
Wir werden uns wehren gegen die Barbaren dieser Welt
Männer unserer Welt
Söhne unserer Erde, setzt euch mit uns für den Frieden auf dieser Erde ein,
die uns ein Geschenk ist …

Hıdır Eren Çelik, Juli 2018

 

Christentum und Islam teilen mit dem Judentum die religiöse Überlieferung der Urgeschichte, wie die Welt entstand. Auf dieser Grundlage glauben Christinnen und Christen sowie Muslima und Muslime, dass Gott die Menschen gleichberechtigt als Männer und Frauen geschaffen hat. Sie erkennen zusammen mit Menschen jeder Religion oder Weltanschauung die Würde jedes Menschen und setzen sich für seine Rechte ein. Dankbar können sie ihre Unterschiedlichkeit als Geschenk Gottes annehmen und die Vielfalt Gottes wiederspiegeln. So werden wir als Menschen entsprechend des obigen Aufrufs der Frauen zusammen, so unterschiedlich wir sind, mehr Frieden und Gerechtigkeit schaffen.

Dirk Voos

Deine Nächste

Deine Nächste ist diejenige, die auf der Flucht ist
Dein Nächster ist derjenige, der vor Krieg flieht
Deine Nächsten sind  Wir, die aus der Ferne kommen
Deine Nächsten sind  Wir, die Deine Zukunft sind
Unsere Nächste bist  Du …
Komm, trinken wir gemeinsam aus dem Brunnen der Würde
das Wasser, das in uns die Hoffnung weckt …
komm, essen wir gemeinsam, teilen wir unser Brot …

Hıdır Eren Çelik, Juni 2018

 

Christentum und Islam kennen mit Kirche und Moschee Gemeinschaftsräume, in denen jeder Mensch willkommen ist. Im Abendmahl oder gemeinsamem Fastenbrechen oder Essen nach dem Gottesdienst geschieht Nächstenliebe vorbildhaft, soll aber gemäß Gottes Geboten auch mit gegenseitigem Helfen im Alltag jedes Einzelnen weitergehen.
Niemand soll hilflos verloren gehen. Wem ich jeweils der Nächste werde, ergibt sich, wenn ich auf Hilfebedürftige treffe. Ich spüre meine Verantwortung im Gewissen, bemerke wie Verbindung mit dem Anderen wächst, wie aus “Ihr” “Wir” wird. Dieses Gefühl von Solidarität kann jeder Mensch unabhängig von seiner religiösen oder weltanschaulichen Prägung spüren.

Dirk Voos

Aufruf an die Jugend

Lass Dich nicht im Sumpf des Hasses ertränken.
Schwimme nicht in der Sintflut der Gewalt.
Lass Dich nicht zum Gefangenen der Ideologen machen,
die mit heiligen Worten Dir das Paradies versprechen.
Lass Dich nicht als ein Instrument der Macht missbrauchen.
Was Du auch suchst, such es in Dir, denn Du bist der Mensch.
Nur Du bist das heiligste Wesen dieser Welt,
die Zukunft gehört Dir, bau sie auf mit der Vielfalt dieser Erde.

Hıdır Eren Çelik, Juni 2016

Traurigkeit umhüllt mich

wie ein Nebel in der Fremde,
Meine Gedanken sind weit weg in der Heimat,
die ich verlassen musste.

Ich bin gereist,
gelaufen durch Berge,
Schluchten und Wüste
Durch den Nebel seht Ihr meine Traurigkeit nicht.

Was Ihr seht, ist mein Gesicht…
Wirke ich wie ein verlorenes Schaf auf Euch?

Das sind die Erinnerungen, die mich traurig machen…

Hıdır Eren Çelik, Mai 2018

 

Manche Erinnerungen, Enttäuschungen, Verletzungen und Ängste tun weh. Traurig zu sein, kostet Lebensmut und Kraft. Religion kann jedoch die heimatlichen, tröstlichen Erinnerungen mit neuen Erfahrungen verbinden, damit ich mich neu zuhause fühle.
Nicht verloren gehen in Trauer und Mutlosigkeit, sondern wieder Freude spüren. Durch das Erinnern bekannter Geschichten und Teilnehmen an gewohnten Ritualen bleibe ich in der Gegenwart verbunden mit dem Früheren und gewinne Zuversicht für die Zukunft. Das Wissen um diese Kraft zum Trösten schafft Achtung vor dem fremden Glauben und öffnet die Augen für die Ähnlichkeiten der Religionen.

Dirk Voos

 Als wir zur Welt kamen, waren wir Kinder.

Wir kannten keinen Hass und keine Nation
Wir fragten nicht nach der Religion.

Wir sprachen nur eine Sprache,
die Sprache der Freundschaft,
denn wir spielten ohne zu fragen,
woher kommst Du, wer bist Du?

Im Spiel waren wir alle Freunde,
als wir Kinder waren.

Hıdır Eren Çelik, Juni 2018

»Ich lasse Spuren hinter mir. Andenken und Geschichten werden von mir zurückbleiben. Meine Enkelkinder werden Geschichten über mich erzählen. Unsere Oma, die ihre Glück hier am Rhein suchte, erreichte alles, was sie sich wünschte: die Liebe. Denn die Liebe bleibt ewig.«

Hıdır Eren Çelik, Mai 2018

»Ich wollte, dass die Fremde mir Zuhause wird. Sie wurde mir sogar Heimat. (…) Du kannst es aushalten, dachte ich mir. Du hast eine starke Willenskraft, und du hast die Liebe deiner Familie. Du kannst wieder aufstehen und mit deinen Enkelkindern an der Rheinpromenade spazieren gehen. Der Rhein gab mir die Hoffnung.«

Hıdır Eren Çelik, Juni 2018

Werde nicht Wächter über die Gerechtigkeit
Werde ein Beschützer der Gerechtigkeit

Hıdır Eren Çelik, Juli 2018

Wir lesen die Welt
Wir lesen die Erde,
Wir entdecken uns immer wieder neu in Büchern
Wir lesen die Geschichten dieser Welt, in denen wir vorkommen
als Menschen …
Wir lesen uns
Die Bücher sind unsere Welt

Hıdır Eren Çelik, Juli 2018

Wir verbergen uns nicht
Zeigen wir unseren Mut
Unser Herz schlägt über die Grenzen hinaus
Fordern wir die stummen Herzen, füreinander zu schlagen
Laut und offen sprechen wir …
wir sind hier,
trotzt den Anfeindungen
bauen wir Brücken aus Liebe für eine gemeinsame Zukunft

Hıdır Eren Çelik, Juni 2018

Bedenke!
Was Du unbedacht sagst, lässt Spuren hinter sich

Hıdır Eren Çelik, Juni 2018

Lass Dich nicht durch mein Aussehen irreführen
Ich bin der, den Du suchst …
Ich bin Dein Nächster, der Mensch.

Hıdır Eren Çelik, Juni 2018

Ich stehe hier auf …
Lächele…

auf die sinkende Sonne,
die meine Haut streichelt.
Ich höre gern die Worte, die mich zum Träumen bringen.

Hıdır Eren Çelik, Juni 2018

 Musik ist Poesie

Musik ist ein Märchen aus tausendundeins Ländern dieser Welt
Musik ist die bewegende Brücke, die Gefühle zum Tanzen bringt
Musik ist ein rauschendes Meer, das die Küste küsst
Musik ist der Wind, der unseren Körper streichelt
Musik ist Melancholie
Musik macht uns Freude und Traurigkeit zugleich
Musik ist grenzenlos
Musik ist die Sprache der Welt, die von jedem
gesprochen
verstanden
gespielt
getanzt
… wird
Musik sind wir

Hıdır Eren Çelik, Juni 2018

 

Mit diesem Periodikum haben wir unser Projekt gestartet. Es hat uns Spaß gemacht und wird weiter gehen. Als nächstes Thema planen wir: Meine Gemeinde – Deine Gemeinde – Unsere Gemeinde. Gemeinden sind wichtige Orte, um Menschen zu treffen. Dort ist es möglich, sich über Sehnsüchte und den Sinn des Lebens auszutauschen, anstatt allein zu sein. Wenn Gemeinden unterschiedlicher religiöser Herkunft sich nähern, wenn aus meiner Gemeinde, deiner Gemeinde unsere Gemeinde wird, wird es friedlicher in unserer Welt. Dazu wollen wir Impulse geben.