Seit Mitte März dieses Jahres waren und sind verschiedene Grundrechte eingeschränkt. Die Menschen dürfen sich weniger freizügig treffen. Viele Veranstaltungen sind verboten. Jede und jeder von uns sollte so viel wie möglich zuhause bleiben und fremde Kontakte meiden.

Dadurch ist vieles anders geworden. Viele Arbeitnehmende dürfen und sollen jetzt „Homeoffice“ machen. Was vorher wenig geachtet war, gewinnt andere Bedeutung und Wertschätzung, damit die Geschäfte weitergehen. Beratung, Teamsitzungen, Gottesdienste und vieles mehr sind auf einmal per Video möglich. Und es geht.

Das erweitert unsere Handlungsmöglichkeiten, auch für die Zeit nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Weniger unterwegs sein ist ja auch gut für die Umwelt. Andererseits vermisse ich die Möglichkeit, woanders hin zu fahren. Wenn diese Freizügigkeit wieder möglich ist, erhöht sich meine Lebensqualität. Doch ich hoffe, dass ich anders damit umgehe; wertschätzender und verantwortungsvollerund nicht nur Verkäuferinnen, Verkäufer, Schwestern, Pfleger, Erzieherinnen, Erzieher, Lehrerinnen, Lehrer anders und mehr wertschätze. Ich möchte anders abwägen, was ich tue, z.B. wohin und wann ich mit dem Auto fahre, wohin und wann ich fliege …Ich möchte mich anders darum sorgen, die Verbindung mit Menschen, die mir wichtig sind, aufrechtzu- erhalten.
Das neue Andere ist nicht alles schlecht, vieles ist gut. Jede und jeder von uns muss sortieren und abwägen: Was möchte ich auch weiter anders machen? Dieser Lockdown gibt die Möglichkeit, das eigene Leben zu ändern. Zuerst gezwungener Massen, dann bewusst freiwillig.

Für viele ist der Lockdown aber auch mit finanziellen Einbußen verbunden oder sogar existengefährdend: Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, keine Einnahmen als Selbständiger. Die Solidarität in unserer Gesellschaft ist anders und viel mehr gefordert. Verlange ich das Eintrittsgeld für eine Veranstaltung zurück oder spende ich es oder tausche es zu einem Gutschein um, um die Veranstalter zu unterstützen. Klicke ich Kinowerbung im Internet an, um das Kino meiner Wahl zu fördern. Unterstütze ich jemand aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis, wenn er/sie es braucht und ich es kann?

Lassen Sie uns diese Chance nutzen und bewusst entscheiden, was wir in Zukunft anders machen wollen. Lassen Sie uns überlegen, was uns wichtig ist. Was weniger oder sogar gar nicht? Lassen Sie uns solidarisch an andere denken, dass es uns zusammen gut geht.

Dirk Voos